Was Inhalte-Anbieter derzeit umtreibt ist die Frage, auf welcher mobilen Plattform sie ihren Content vertreiben sollen: iPad, iPhone, Android oder alle zusammen? Antworten wurden auf dem Internationalen Medienkongress im Rahmen der medienwoche@IFA 2010 gesucht.
Die älteren unter uns mögen sich an ihn mit Schrecken erinnern: An den Krieg der Browser! „Schreibe ich jetzt die Website für Netscape Gold oder für den Internet Explorer? Oder doch für beide? Und, wenn ja: Wie?“ – diese und andere Fragen beschäftigen Herrscharen von Webdesignern und -entwicklern. Beide Browser-Plattformen hatten sich schließlich so diametral auseinander entwickelt, dass viele Website-Betreiber kurzerhand zwei Versionen des selben Inhalts anboten. Das war nicht nur lästig, sondern, vor allem auch, teuer.
Wer auf die falsche Plattform baute und damit seine Zielgruppe nicht erreichte, katapultierte seine Investitionen direkt ins digitale Nirvana. Gleiches vollzieht sich derzeit erneut: Während auf dem Desktop das Browser-Kriegsbeil begraben wurde, tobt der Krieg auf den Mobilgeräten: iPhone, iPad, Android, WePad oder Blackberry – alle buhlen um den kostbaren Inhalt. Dieser sieht auf jedem Endgerät anders aus. Wirkt anders. Ganz zu schweigen von der unterschiedlichen Bediensituation und Haptik.
Der Auswahl der richtigen Endgeräte-Plattform für die mobile Distribution kommt somit strategische Bedeutung zu. Beim Internationalen Medienkongress kristallisierten sich zwei gänzlich unterschiedliche Lösungsansätze heraus:
- Generalisierung: Den Inhalt so aufbereiten, dass er auf allen Plattformen gleichermaßen gut betrachtet werden kann. Keine Extras. Keine Plattform-abhängigen Schnörkel.
- Spezialisierung: Das genaue Gegenteil der Generalisierung.
Beispiel auf dem Kongress hierfür: „The Iconist“, ein Lifestyle-Spin-Off aus dem Hause Springer, wird ausschließlich für das iPad entwickelt. Dass Konkurrent Gruner und Jahr auf das kaum verbreitete WePad gesetzt hatte und floppte, freute natürlich die Springer-Vertreterin beim Medienkongress diebisch. Tatsächlich hatte Springer bereits vor dem Verkaufsstart des Apple Pads am Konzept von The Iconist gebastelt – seinerzeit für Tablet PCs. Als sich abzeichnete, dass Steve Jobs schließlich mit einem Tablet an den Start gehen würde, fokussierte man die gesamte Entwicklung auf das kommende Apple-Produkt.
So nutzt das Springer-Magazin das Display und die Touchscreen-Bedienung aus, um optimalen Look-and-Feel, abgestimmt zur Hardware, zu erreichen. Das können zwar andere Apps mittlerweile deutlich besser, aber Springer ist – nach eigener Aussage – der erste in Deutschland, der ein Online-Magazin exklusiv auf dem iPad vertreibt.
Tatsächlich muss bei der mobilen Distribution also nicht nur die Zielgruppe und deren Kommunikationsverhalten genau analysiert werden, sondern auch auf die jeweilige Geräteverbreitung in der Zielgruppe. Für ein hochpreisiges Lifestyle-Produkt kann es durchaus sinnvoll sein auf eine exklusive Plattformauswahl zu setzen. The Iconist tut dies mit dem iPad. Anderes herum führt eine solche Spezialisierungsstrategie zu einer Verknappung der Distributionswege und geringeren Absatzchancen. Insofern ist die Auswahl der passenden Verbreitungswege immer eine produktspezifische Einzelfallentscheidung.
Von Nokias Symbian, noch vor kurzen ungeschlagener Marktführer bei den Mobilbetriebssystemen, sowie von Palms WebOS war übrigens der während des Kongresses gar nichts zu hören: Obwohl beide noch nennenswerte Marktanteile haben, scheinen sie für die Branche jetzt schon stehend KO zu sein. Bei Windows Mobile dürfte hingegen ab zu warten sein, ob Microsofts Millarden-schweres Investitionsprogramm in die siebte Version des Betriebssystems, den Vorsprung von iPhone und Android aufholen kann. Apropos Android – eine der häufigsten Fragen beim Kongress: „Und wann kommt die App auf Samsungs Android-Pad?“. Die nächste Endgeräte-Schlacht zeichnet sich schon ab.

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