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Open Data und Partizipation auf dem Politcamp 2010

Klas Roggenkamp

Open Data und Partizipation auf dem Politcamp 2010

22. März 2010 von Klas Roggenkamp 0

Sessionplanung - Politcamp 2010; Quelle: hschmidthamburg / flickrPolitcamp zum Zweiten - während sich noch immer einige mit twitternden Politikern oder der Wahlkampf-Nachbereitung befassten, gab es viele spannende Sessions und Gespräche, die sich wieder mehr mit der "größeren Idee" von Open Data und digitaler Partizipation befassten. Auch diesmal waren wir mit verschiedenen Sessions präsent, und konnten Visionen mit konkreten Projekten und Erfahrungen abgleichen.

Sessionplanung - Politcamp 2010; Quelle: VoThoGrafie / flickrWährend wir noch im letzten Jahr ziemlich präsent waren mit unserem Projekt wahl.de haben wir uns dieses Mal etwas mehr auf die Umsetzungs-Seite geschlagen: mit zwei eigenen Sessions und der Mitwirkung an einem schönen Show-Case für Liquid Democracy waren wir dieses Jahr auf dem derzeit einzigen Barcamp für "Politik meets Web" präsent.

 

Neben meinen Sessions war es natürlich wieder sowas wie ein Familientreffen. Seit dem Online-Wahlkampf ist jetzt nicht allzuviel Zeit vergangen, weshalb die Revolution vielleicht auch einfach ausgeblieben ist. Aber nach der Wahl ist mitten in der Politik, weshalb man sich abseits der großen Bühne auch schon mit den nächsten Trends befassen durfte - aus meiner Sicht vor allem die bessere Vermittlung von Politik und (bzw. mit) mehr Transparenz gerade auch durch technische Wege und offene Daten.

 

Session: "Mythos Partizipation?"

Aus meinen persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre, aber auch aus dem direkten Feedback rund um unsere Projekte wahl.de und petition24 hat sich immer mehr die Frage herauskristallisiert, ob "Partizipation" nicht viel zu oft mehr Kampfbegriff und Wunsch denn Wirklichkeit ist, der zuletzt rund um "die" Enquête-Kommission nochmal einiges an Aufmerksamkeit erfahren hat.
Schon in der Sessionplanung hat sich gezeigt, dass wir nicht die Einzigen sind, die sich zu dem Thema Gedanken gemacht haben. Ziemlich spontan habe ich unsere Session mit dem Vorschlag von Matthias Trénel zusammengelegt, da wir zum einen viel inhaltliche Überschneidungen hatten, sondern zu ganz anderen Schlussfolgerungen kommen.

"Theoriefreund trifft Sofortmacher"

Die Zusammenfassung "Theoriefreund trifft Sofortmacher" fasst es eigentlich schon sehr gut zusammen, und der volle Saal hat obendrein das große Interesse am Thema belegt.
Inhaltlich wurden dann auch beide Seiten von Partizipation angegangen: Meine Kritik an den meisten Partizipationsangebote lässt sich zusammenfassen mit

  • wenig ansprechender Aufbereitung, worum es geht,
  • wenig Klarheit, warum man eigentlich partizipieren soll - und was dann am Ende mit dem Ergebnis passiert,
  • hohen Einstiegshürden zum Mitmachen (Anforderungen sind eher "akademisch" denn bürgernah; Angebote sind oft sehr zeitintensiv),
  • selten stattfindender inhaltlicher Vorbereitung, um den Bürgern eine qualifizierte Teilhabe / Teilnahme zu ermöglichen.

 

Insgesamt sehe ich in vielen Partizipationsangeboten den Gedanken, dass man einfach mit mehr Technik schon dem allgemeinen Unwillen, sich zu beteiligen begegnen kann. Dass dabei aber ein Heranführen über Themen, Hintergründe durch viel Information vernachlässigt wird, habe ich (hoffentlich) deutlich gemacht.

Aus Sicht von Matthias wird bei vielen Projekten von ca. 80% der Teilnehmer ein Partizipationsangebot eher als Protestventil genutzt, nur von ca. 20% kommen tatsächlich nutzbare Mitmachwünsche. Die Diskussion blieb recht lange im theoretischen Aufbrechen, was denn Partizipation alles sein kann (von Konsultation bis zu tatsächlicher Entscheidung) - aus dem Publikum kam zudem der Einwand, dass politische Teilhabe online alleine nie reichen könne. Ein tatsächliches Ergebnis gab es wohl nicht, aber das wäre wohl auch etwas viel erwartet.

Session: "Open Data - praktisch umgesetzt"

Am Sonntag ging es dann etwas praktischer weiter, trotzdem nicht weniger interessant. Open Data war generell ein heißes Thema am zweiten Camp-Tag, und nachdem mein Session-Vorschlag schon am ersten Tag viel gute Resonanz bekam habe ich gleich noch mit Daniel quasi den Open Data Network e.V. als Verstärkung dazugeholt.

Inhaltlich ging es in meiner Session zunächst um unsere Ziele und praktischen Erfahrungen aus der Umsetzung insbesondere der Deutschland API. In dem Zusammenhang haben wir inzwischen einiges an Rückmeldung aus dem Bundestag bekommen, aber auch aus Parteien und von zahlreichen Initiativen und Projekten, die sich auf die API stützen oder eine Einbindung planen.

Hürden in der Verwaltung

 

Aus diesem Feedback können wir zweierlei schon jetzt feststellen: es fehlt nicht immer am Wollen, oft stellt sich öffentliche Verwaltung selbst ein Bein - sei es durch Prozessvorgaben (Stichwort: "Open Data braucht den Beschluss des Ältestenrats" [sic!]) oder durch ganz banale Ressourcenknappheit (personell und finanziell). Der Einwand aus dem Publikum, man könne die Tools auch verschenken klappt leider (s.o.: Prozessvorgaben) auch nicht, da das nach aktuellem Kenntnisstand nicht mit Ausschreibungsregeln zusammengeht. 
So oder so gibt es zahlreiche Dinge, die hierzulande noch in den Anfängen stecken und auch mit den Initiativen und Spezifikationen anderswo zu koordinieren sind. Die Anmerkung, dass die Deutschland API die strukturierten Daten nur auf deutsch auszeichnet ist sicher berechtigt (aus Entwicklersicht!), auch sind wir dabei, unsere Tools in ein offenes Lizenzmodell zu überführen und den Quellcode offen zu machen.

 

Konsolidierung der Initiativen

Mit dem Blick auf das absehbar ereignisreiche Open Data-Jahr 2010 stieg dann Daniel mit ein, der u.a. Werbung für den Hackday gemacht hat (den wir u.a. mit Datensätzen und Personal unterstützen), aber auch für den Apps4Democracy-Wettbewerb und den Verein an sich (ich bin da auch Mitglied).
Mit den Hinweisen auf die EU-Ebene, internationale Zusammenarbeit und vor allem: gemeinsame Open Data Standards ging die Diskussion dann in eine Richtung, die viel von den Hoffnungen zeigt, die dem Thema entgegenschlagen. So deutlich wie in der Session vorher wurden die Gegensätze ("Theorie trifft Praxis") nicht, aber es zeigen sich doch zwei grundsätzliche Ansätze, die gerade auch das Open Data Network zusammenführen will und muss: für viele braucht es erstmal das auch haptische Erlebnis, was denn offene Daten sein können, zusammen mit der Erkenntnis, dass das weder Hexenwerk noch Riesenprojekt bedeuten muss. Daneben braucht es auch die Bemühungen, sich gleich mit anderen Akteuren abzustimmen um gemeinsam mehr zu erreichen.
Trotzdem denke ich nicht, dass diese Zusammenarbeit immer das Erste sein sollte - dafür sind die Hürden bei den vielen einzelnen Stellen und Akteuren viel zu groß. Erstmal ein stückweit den richtigen Weg zeigen, dann mit diesen guten Beispielen im Gepäck die nächsthöhere Stufe erklimmen.

Es gibt viele gute Einzelinitiativen da draußen, die sich mit und um Open Data bemühen, aber wie bei dem Thema Partizipation auch: es gibt erst den mühsamen Weg "zu Überzeugen" bevor man sich auf den Weg "zu Standardisieren" machen kann. Wir arbeiten trotzdem schonmal an beiden Aufgaben mit.

Bilder in diesem Post:
von Thomas Vogt, HSchmidt, webstreifen, Tara Hadviger, Lucas Mohr, Thorsten Roprecht, josisch, Frank Hamm, baranek, MrTopf

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